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Nachfolgend der in unserem Sprachgebrauch

Ergänzungspapier

genannte Text. Das Papier wird in unregelmässigen Abständen, bisher etwa alle 4 Jahre, überarbeitet und zeigt die gelebte Praxis in der Kommune Niederkaufungen. Der nachfolgende Text wurde im Herbst 2000  letztmalig aktualisiert.
Die Ideenbasis der Kommune, wie sie in unserem Grundsatzpapier von 1983 "In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod" beschrieben ist, gilt weiterhin. Dort, wo sich Gedanken aus diesem Papier als realitätsfern, für uns nicht richtig oder nicht anstrebbar erwiesen haben, werden wir hier darauf hinweisen.
Unsere Kommune versteht sich als linke, undogmatische Gruppe. In unserem Zusammenleben orientieren wir uns als Gruppe weder an einer speziellen Kommunetradition noch an Spiritualität, sondern entlang unserer Grundsätze.

"Der Traum ist aus, aber wir werden alles geben, daß er Wirklichkeit wird! "
...und was daraus wurde, gelebte Praxis von 1986 bis heute
Anfang der achtziger Jahre bildete sich eine InitiatorInnengruppe, die im Januar 1983 von Hessen in den Großraum Hamburg zog, in der Erwartung, dort ihre Idee von einem großen Lebens- und Arbeitsprojekt realisieren zu können. Die Kerngruppe, von der 12 Leute in Buxtehude lebten, wuchs schnell auf 20 Leute an; dazu kamen im Schneeballsystem, zum Teil wechselnd, nochmal ca. 20 Leute. Im Laufe des Jahres 1983 diskutierte und plante diese Gruppe Inhalt und Form eines Projektes, welches ca. 100 Erwachsene plus Kinder umfassen, und damit einen nicht zu übersehenden linksökologischen Faktor in der Hamburger Region bilden sollte.
Die Gruppe formulierte ihre Vorstellungen Ende 1983 in ihrem Grundsatzpapier "In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod". Die wichtigsten Grundsätze darin sind heute nach wie vor gültig:
  • Linkes Politikverständnis.
    Zusammen leben und kollektiv arbeiten, einschließlich weiterhin politische Einflußnahme nach außen
  • Gemeinsame Ökonomie
    Das Wirtschaften in und aus einem Topf
  • Konsensprinzip
    Entscheidungen werden im Konsens getroffen
  • Kollektives (möglichst vielfältig aufeinander bezogenes, ökologisches und sozialverträgliches) Arbeiten.
  • Abbau von/Auseinandersetzung mit kleinfamiliären Strukturen
    gemeinsame Verantwortung füreinander).
  • Auf der Basis des Grundsatzpapiers wurde ab Anfang 1984 bundesweit in großen Werbekampagnen nach den 100 Leuten gesucht, mit denen gemeinsam, ideell und finanziell, im Hamburger Raum das Projekt starten konnte. Aus den großen, fortlaufenden Treffen, zu denen bis zu 300 Erwachsene kamen, ergab sich 1984/1985 eine eigene Infrastruktur: - Gebäude-/Hofsuchgruppen (über 300 Objekte im Hamburger Raum wurden geprüft!);
    - Vorgesellschaft zum Kapitalansammeln mit über 100 GesellschafterInnen;
    - spezifische Arbeitsbereichstreffen überregional (z. B. Handwerk, Ernährung, Gesundheit, Landwirtschaft);
    - Kontaktgruppen regional (Süddeutschland, Ruhrgebiet, Hessen, Berlin ...);
    - WGs- und Arbeitskollektivgründungen in Hamburg mit dem Ziel, die Projektrealisierung schneller voranzutreiben;
    - das Projektbüro, welches u. a. einmal pro Monat die "Geklammerten Werke" als Info bundesweit an die ProjektlerInnen verschickte;
    - der Förderverein, der mit der Herausgabe unseres jetzt noch existierenden Rundbrief begann. Ca. 1.000 Leute waren an den Planungen 1984–1986 interessiert und z. T. beteiligt. Ein erstes, bis zum Kaufvorvertrag vorangetriebenes Objekt scheiterte im Dezember 1985. Der Darlehensvertrag war noch von 60 Leuten unterschrieben worden. Ein zweites, noch von 35 Leuten getragenes Objekt scheiterte ebenso, im April 1986. Damit schien der Hamburger Raum für ein Großprojekt erstmal gestorben zu sein. Außerdem hatte sich die Gruppe derer, die weiterhin Ausdauer und Energie hatten, im Laufe der Jahre stark verkleinert und viel Kraft schien verpufft... Zufällig hörten wir dann von Niederkaufungen, einem nordhessischen Dorf, 10 km von Kassel entfernt, in dessen Kern ein großer, z. T. leerstehender Gebäudekomplex stand... In einem halbjährigen Verhandlungs- und Entscheidungsprozeß wurden die Gebäude am 12.12.1986 von dem größeren Teil der Hamburger Gruppe gekauft. (Von den anderen kaufte ein Teil einen Resthof in Schleswig-Holstein um Landwirtschaft machen zu können, was in Niederkaufungen vorerst nicht möglich schien. Die anderen blieben in dem im Verlauf der Projektplanung angepachteten Gebäude in Uetersen, um ein Hamburg-Stadt-Nahes Projekt auszuprobieren. Letzteres hat sich Anfang 1991 aufgelöst.) Heute (Herbst 2000) leben wir hier mit 53 Erwachsenen (25 Frauen, 28 Männern, davon 1 in Auszeit) und 17 Kindern/Jugendlichen (9 Jungen, 8 Mädchen) in einer Altersspanne von 27 bis 53 Jahren und 4 Monaten bis 18 Jahren.

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    2. Grundsätze

      2.1 Linkes Politikverständnis
    Das "Linke Politikverständnis" ist sicherlich unser unpräzisester und dehnbarster Grundsatz; von grün-ökologischen über marxistische, feministische bis zu anarchistischen Positionen ist alles vertreten; in dem hier stattfindenden Alltagsleben taucht dieser Grundsatz auf der einen Seite kaum auf, andererseits durchzieht er jedoch alles. Letztlich beruhen die anderen Grundsätze wie Konsens, gemeinsame Ökonomie, Auflösung kleinfamiliärer (Macht-)Strukturen auf der Idee einer anderen, nicht-hierarchischen Gesellschaft, die aus einer linken Gesellschaftsanalyse erwächst, und von der einige Aspekte im Grundsatzpapier weiter ausgeführt sind. Insofern wird der Aufbau dieses Projektes von uns als Realisationsversuch einer anderen Gesellschaft und damit als politische Aktion verstanden - vermutlich die einzige politische Arbeit, die alle KommunardInnen gemeinsam aktiv betreiben. Darüber hinaus ergeben sich zu manchen Themen wie Castortransporten und dem Bau der A 44 von selbst mehr oder minder kommuneweit getragene politische Aktivitäten. Die Mitarbeit im Aktionsbündnis gegen Rechts, in der Frauenbewegung, zur Asylpolitik sowie in eher herkömmlichen Formen politischer Arbeit wie Flugblätter entwerfen und verteilen, Demos organisieren, Kontakte zur Kommunalpolitik etc. bleiben jedoch der individuellen Interessenlage und dem Engagement der Einzelnen überlassen.

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      2.2 Gemeinsame Ökonomie
    Im Umgang mit Geld vollziehen wir eine klare Trennung zwischen
    a) Vermögen/Kapital und
    b) laufender Alltagsökonomie.

    a) Unser Vermögen setzt sich zusammen aus den Geldern, die die KommunardInnen bei Einstieg eingebracht haben (Modalitäten s. u. "Einstieg/Ausstieg") und aus geliehenem Geld (Banken, Stiftungen, Verwandtschaft, FreundInnen). Mit diesen Geldmitteln wurden Gebäude gekauft und werden Ausbauten finanziert; desweiteren bekommen kommuneinterne Arbeitsbereiche Gelder aus dem "Vermögenstopf" für Investitionen (Maschinen etc.) als zinslose, aber rückzahlpflichtige Darlehn zur Verfügung gestellt.

    b) Die laufenden Einnahmen unserer Alltagsökonomie setzen sich hauptsächlich aus den Löhnen bzw. Einkünften der einzelnen Arbeitsbereiche und den Gehältern der außerhalb der Kommune Beschäftigten zusammen. Dazu kommen Honorargelder, Arbeitslosengeld und -hilfe, Kindergeld, Geschenke etc. Ausgegeben wird das Geld für die Dinge des alltäglichen - und nicht ganz so alltäglichen  -Bedarfs: von Autos bis Zahnpasta. Unsere laufenden Einnahmen und Ausgaben liegen bei rund 1.500 DM/Monat/ErwachseneR, was jedoch nur eingeschränkt etwas über unseren Lebensstandard aussagt, weil wir durch die Großgruppenorganisation (Gemeinsame Kleiderkammer und Bibliothek, gemeinsame Nutzung von Autos, Waschmaschinen, en-gros-Einkäufe etc.) und unsere niedrigen Wohnkosten viel Geld sparen. Wir betreiben kein Askeseprojekt und wir entscheiden auch nicht als Gruppe über "wahre" oder "falsche"/kompensatorische Bedürfnisse. Wir haben keine "Taschengeld-Regelung", sondern jedeR nimmt nach ihren/seinen Notwendigkeiten/Bedürfnissen aus der gemeinsamen Kasse. Daß es trotzdem so etwas wie soziale Kontrolle, bzw. die Hinterfragung und Kritik unseres Konsumverhaltens gibt, steht außer Frage und ist auch so gewollt. Die finanziellen Transaktionen von/nach außerhalb und innerhalb der Kommune werden von unserem Arbeitsbereich "Verwaltung" organisiert und dokumentiert - es gibt für jeden Monat eine detaillierte Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben.

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      2.3 Konsens
    Das bedeutet bei uns: Alle sind an der Entscheidungsfindung beteiligt; es gibt keine Abstimmungen; Vetorecht für jedeN. Im Grundsatzpapier steht: "Wir wollen, daß Entscheidungen möglich sind, die jede Meinung berücksichtigen und somit von allen getragen werden können." Wir treffen uns alle einmal wöchentlich im Plenum, das drei bis vier Stunden dauert. Die Teilnahme wird erwartet. Seit einiger Zeit nehmen größere Kinder, wenn sie dies möchten, am Plenum teil und bringen auch ihre Anliegen ein. Die Form der Entscheidungsfindung ist im Laufe der Zeit mehrfach weiterentwickelt worden. Anstatt im Gesamtplenum diskutieren wir seit geraumer Zeit in mehreren Plenumskleingruppen zu unterschiedlichen Themen. Dies war zur Entlastung des Gesamtplenums nötig geworden aufgrund der Vielzahl der anstehenden Diskussionspunkte, der zunehmenden Größe der Gruppe, in welcher keine sinnvolle Diskussion mehr geführt werden konnte und der oft ungleichen Sprech- und Argumentationsgewandtheit der Einzelnen. Dabei hat sich in den letzten Jahren unsere Regel bewährt, eine Entscheidung, die getroffen worden ist, erst eine Woche bis zum nächsten Plenum sacken zu lassen, bis sie, wenn kein Veto kommt, Gültigkeit erlangt. Das sorgt für mehr Ruhe, Mißverständnisse können geklärt, eigene Auffassungen können noch einmal überprüft oder anderen verständlicher gemacht werden. Auch wenn sich das Konsensprinzip für uns also bewährt hat, bleibt noch Ungelöstes; z. B. das Problem der VielrednerInnen/Dominierenden oder kein Veto zu sagen aus der Angst heraus, alleine damit dazustehen und vielleicht nicht die Kraft zu haben, sich der anschließenden Diskussion zu stellen. Das bedeutet: In der Handhabung des Konsensprinzips ist also auch zukünftig Sensibilität in struktureller und gruppendynamischer Hinsicht angesagt.

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      2.4 Abbau kleinfamiliärer Strukturen
    Die Umsetzung dieses Grundsatzes hat eine leichter beschreibbare - strukturelle - Seite und eine viel schwerer zu beschreibende, nämlich die der individuellen Veränderungen.

    Ökonomisch-emanzipatorische Aspekte
    Strukturell haben wir einiges zu bieten: - Durch unsere Handhabung der Gemeinsamen Ökonomie und die (formelle) Gleichbewertung von Arbeit verhindern wir die gesellschaftlich nach wie vor vorherrschende Rollenverteilung zwischen Ernährer und Hausfrau, zwischen höher bewerteter "produktiver" und niedriger bewerteter "reproduktiver" Arbeit. - Die Kindergruppe und die Küche sind eigenständige, vollwertige Arbeitsbereiche und schaffen den Eltern/Erziehenden Freiräume für ihre Arbeit/Freizeit. Trotzdem begleiten uns natürlich auf individueller Ebene die für die kleinfamiliären Strukturen verantwortlichen patriarchal-kapitalistischen Mechanismen in uns auch weiterhin. Darüber gibt es ab und zu - kommuneweit selten - streitbare Diskussionen.

    Wohn- und Beziehungsaspekte
    Z. Zt. gibt es 10 Wohngruppen, eine davon ist eine Lesben/Frauen-Wohngruppe, eine eine Männer-WG. Die Größe der Wohngruppen ist sehr unterschiedlich, von drei bis neun Erwachsenen und null bis drei Kindern/Jugendlichen.. Die Unterteilung in Wohngruppen erweist sich, wie im Grundsatzpapier angenommen, als gute strukturelle Ansatzmöglichkeit, unseren kleinfamiliären Strukturen zu begegnen. Wobei sich unsere Schwierigkeiten nicht grundsätzlich von den in der Gesellschaft üblichen unterscheiden, und wir auch mit Eifersucht, Angst vor Liebesentzug und Ablehnung, Macht- und Besitzdenken in Zweierbeziehungen (und in der Gesamtgruppe) zu kämpfen haben. Wie jedoch die idealen Beziehungstrukturen der Erwachsenen untereinander und die zwischen Erwachsenen und Kindern aussehen, darüber gibt es nur selten eine Diskussion mit allen KommunardInnen. Ob Kinder sehr enge Bezüge zu ihren Eltern brauchen oder lieber viele möglichst gleichberechtigte Kontaktpersonen, ob die Zweierbeziehung Teil der Lösung oder vielmehr Teil des Problems ist und welche anderen Beziehungsformen denn anstrebenswert und lebbar sind ...; zu all diesen Fragen gibt es bei uns unterschiedliche Meinungen und Realitäten. Dementsprechend leben wir hier entweder in mehr oder weniger "festen" Zweierbeziehungen, Mehrfachbeziehungen oder "Solo". Es gibt heterosexuelle und lesbische Beziehungen. Neben den intimen Beziehungsstrukturen sind in der Kommune alle in ein vielfältiges Netz von Beziehungen mit den anderen verstrickt; Arbeitsbereiche, Wohngruppen, Plenumskleingruppen, Arbeitsgruppen, Essenssituationen etc. - ständig begegnen wir einander, setzen uns in Beziehung oder grenzen uns ab, sehen andere unseren Frust und unsere Freude, erleben unsere Macken, Schwächen und Stärken. Da ergeben sich selbstverständlich eine Menge von Konflikten, Reibungen, Auseinandersetzungen, trifft doch jedeR auch auf andere, die ihn/sie durch ihr Verhalten unbewußt genau an den empfindlichsten Punkten treffen. Diese persönlichen Konflikte, die auftauchen, sei es im Arbeitsbereich, in der Wohngruppe oder sonstwo, sind meist die schwierigsten, langwierigsten und schmerzvollsten Probleme in der Kommune, nicht etwa Auseinandersetzungen um gemeinsame Ökonomie oder Konsens, wie die meisten Außenstehenden vermuten. Häufig spiegeln sich in diesen Auseinandersetzungen auch gesellschaftliche Konflikte wieder, tragen wir doch alle aus unserer Vergangenheit gesellschaftliche Bewertungen wie z. B. nach Können oder Arbeitsmoral etc. in uns und bringen geschlechtsspezifisch geprägte Rollenverhalten und Reaktionsmuster mit. Zur Konfliktbewältigung werden manchmal nicht direkt betroffene KommunardInnen hinzugezogen. Dazu haben wir seit Sommer 2000 ein Gremium installiert (Hausschlichtung Kommune). Seit Januar 1999 treffen sich ca. 25 KommunardInnen zum sozialen Forum. Dort haben alle die Möglichkeit, sich selber darzustellen - mit ihren Gefühlen und ihrer persönlichen Betroffenheit. Der Kreis der Teilnehmenden bildet dazu einen geschützten Raum. Das Forum ist nicht vorrangig auf Lösungen eines Themas ausgerichtet. Es dient dazu, Verständnis untereinander zu fördern um sich besser kennen und schätzen zu lernen.

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      2.4.1 Kinder und Jugendliche in der Kommune
    Im Herbst 2000 leben in unserer Kommune siebzehn Kinder und Jugendliche im Alter von 4 Monaten bis 18 Jahren. Zwei Kinder gehen in unsere Kindertagesstätte, 14 Kinder/Jugendliche gehen in Regelschulen am Ort oder in Kassel. Der ehemals interne Kinderbereich, in dem ursprünglich vorwiegend Kommunekinder vormittags betreut wurden, ist seit Mai `92 eine, offiziell anerkannte, integrative altersstufenübergreifende Kindertagesstätte, die außer von zwei Kommunekindern, von 15 Kindern aus Kaufungen und Umgebung besucht wird. Einmal im Jahr fahren die Kommunekinder für zwei Wochen - überwiegend mit Nicht-Eltern - in Kinderurlaub. Die Nachmittagsbetreuung der Kinder liegt meist bei den Eltern, die hierfür von dem jeweiligen Arbeitsbereich freigestellt sind, zum Teil übernehmen sie jedoch auch andere KommunardInnen - hier wird das Spannungsverhältnis von gemeinsam als richtig erkannten Zielen (gemeinsame Verantwortung für Kinder) und der Individualität der hier lebenden Menschen deutlich: Die Spannbreite reicht von KommunardInnen, die sich als Nicht-Eltern in regelmäßiger Verantwortung an der Nachmittagsbetreuung und dem Zubettbringen der Kinder beteiligen, bis zu anderen, die wenig mit Kindern zu tun haben wollen. Durchgängig läßt sich jedoch beobachten, daß die Kinder neben ihren Eltern noch andere wichtige Bezugspersonen haben, so daß es z. B. möglich ist, daß Eltern ohne Kinder (und umgekehrt) wegfahren können - ein Zeichen dafür, daß sich die sonst zwangsläufige Angewiesenheit der Kinder auf die Eltern bzw. die Angebundenheit der Eltern durch die Kinder gelockert hat. Nicht nur in ihrem Verhältnis zu Erwachsenen, sondern auch untereinander entwickeln die Kinder vielfältige Beziehungen. Sie haben Kontakte zu älteren und jüngeren (Kommune-)Kindern, finden ihre Wege sich zu streiten und sich zu vertragen und entwickeln immer mehr ein von den Erwachsenen unabhängiges Gruppengeschehen. Anfang 1991 entstand eine intensive Diskussion über die Frage "Wie viele Kinder wollen wir hier?", ausgelöst durch plötzlich gehäuft auftretendes Einstiegsinteresse von Leuten mit Kindern. Die Auseinandersetzung führte zu dem bis heute gültigen Beschluß, beim weiteren Wachsen der Kommune ein Verhältnis von drei Erwachsenen zu einem Kind beibehalten zu wollen, wobei diese Regelung keine große Freude hervorrief, sondern von vielen eher als Notlösung empfunden wird. Inzwischen sind viele unserer Kinder Jugendliche - werden gerade junge Erwachsene. Wir machen so erste Erfahrungen bezüglich ihres Kommunestatus. Bisher gibt es für sie individuelle Regelungen. Ob für sie die gleichen Regelungen wie für die KommunardInnen gelten sollen, wird zur Zeit zum Teil kontrovers diskutiert.

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      2.5 Abbau geschlechtsspezifischer Machtstrukturen
    Ä hnlich wie "Linkes Politikverständnis" und "Abbau kleinfamiliärer Strukturen" ist dieser Grundsatz schwer zu greifen. eschlechtsspezifische Machtstrukturen durchziehen alle unsere Lebensbereiche und wir werden damit - auf unterschiedliche Weise und in verschiedenem Ausmaß - auch in der Kommune konfrontiert: bei der Arbeit, in der Wohngruppe, in unseren Beziehungen, im Diskussionsverhalten...

    Es gibt in der Kommune einige Strukturen, die zum Abbau geschlechtsspezifischer Macht beitragen:
    - Männer und Frauen sind gleichermaßen an der Kindererziehung/-betreuung beteiligt,
    - durch die Aufwertung der Reproduktionsbereiche Kinder und Küche fallen diese nicht mehr alleine in den Zuständigkeitsbereich der Frauen. Für die Gemeinschaftsräume gibt es einen Putzplan, so daß alle KommunardInnen gleichermaßen zuständig sind,
    - die Praxis, Plenumsdiskussionen in Kleingruppen zu führen, trägt dazu bei, daß Frauen mehr zu Wort kommen,
    - alle KommunardInnen sind "berufstätig"; Frauen wie Männer bauen Arbeitsbereiche auf und arbeiten in ihnen.
    - es gibt sich bewußt als solche verstehende Frauen/Lesben- und Männer-WGs Außerdem hat sich das Sprachverhalten der Kommune zugunsten einer weniger frauenfeindlichen Sprache verändert, im Tagungshaus gibt es immer wieder Seminare zu frauen- und männerbezogenen Themen. Aber trotz allem können wir die gesellschaftliche Realität nicht aussperren. Wir werden täglich damit konfrontiert und sind unterschiedlich davon betroffen. Und wir bringen natürlich unsere geschlechtsspezifische Sozialisation mit in die Kommune und tun uns schwer damit, uns von dem erlernten Rollenverhalten zu befreien.

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    3. Alltag

      3.1 Arbeit(en)
    Unsere Arbeitsbereiche
    Wir arbeiten alle in produktiven oder reproduktiven Arbeitsbereichen der Kommune oder in einer Arbeitsstelle als AußenarbeiterInnen in anderen Organisationen, Vereinen und Betrieben. Dies sichert nicht nur unsere ökonomische Reproduktion/Existenz, sondern die Arbeitsbereiche gehen in ihrer Bedeutung für uns weit darüber hinaus. Für uns bedeutet alternative Produktionsweise: Bezug zu den Produkten, die wir herstellen oder verbrauchen, Abbau von entfremdeter Arbeit, Grundbedürfnisse z. T. selbst abdecken zu können, Aufwertung von reproduktiver (Hausfrauen-)Arbeit durch eigenständige Arbeitsbereiche, Abbau geschlechtsspezifischer Arbeitsstrukturen. Diesen Zielen werden wir natürlich z. T. nur tendenziell gerecht, wobei wir keine komplette Selbstversorgung oder gar Autarkie anstreben. Unsere Arbeitsbereiche sollen als funktionierende Kollektivmodelle Mittel zum Zweck sein, uns in ökologisch-ökonomischer Hinsicht in das regionale Wirtschaften einzuschalten.

    Folgende Arbeitsbereiche gibt es bereits hier:
    - In unserer integrativen Kindertagesstätte DIE WÜHLMÄUSE arbeiten 4 Frauen ein Mann. Die Einrichtung ist seit 1992 staatl. anerkannt. Vom ersten Lebensjahr zur Schulreife werden z.Zt. 17 Kinder betreut und begleitet, zwei davon sind Kommunekinder.
    - Der Arbeitsbereich Gemüsebau ist Biolandbetrieb; hier arbeiten zwei Frauen die von weiteren KommunardInnen tatkräftig unterstützt werden. Die Kommune, das Tagungshaus, der Hofladen und der Wochenmarkt in Kassel werden beliefert. Die 2 ha Gemüsefläche des AB`s Gemüsebau sind überwiegend angepachtet. Einen Acker haben wir 1994 gekauft.
    - Im Arbeitsbereich Viehhaltung arbeiten inzwischen 2 Männer und eine Frau. Sie bewirtschaften rund 16 ha biologisch und beliefern fast ausschließlich die Kommune mit Fleisch, Wurst, Milch, Käse und anderen Milchprodukten.
    - Im Tagungs- und Begegnungshaus arbeiten zwei Frauen und drei Männer. Das Tagungshaus hat 27 Plätze in 2- und 3-Bettzimmern und mehrere Tagungsräume. Es wird sowohl an externe Gruppen vermietet, die eigene Seminare durchführen, als auch für eigene Bildungsarbeit genutzt. Das Bildungsangebot beinhaltet Seminare und Bildungsurlaube zu Themen wie "Anders leben - anders arbeiten", "Nachhaltigkeit -Subsistenzperspektive", "Männer- Frauen- Rolle", "Altersvorsorge" und Zukunftswerkstätten. Diese und ähnliche Seminare werden auch auf Anfrage für Gruppen und Schulklassen durchgeführt.
    - Unser Arbeitsbereich Ernährung verpflegt diese Gruppen, mit Vollwertkost. Außerdem nimmt er Außenaufträge, z. B. für Buffets, an. Hauptsächlich aber verpflegter die Kommune. Dort arbeiten z. Zt. drei Männer und eine Frau.
    - Die Komm-Bau GmbH besteht aus den Bereichen Bau - Wärmedämmung - Innenausbau, Metallbau und Fahrradabstellanlagen, Regenwassertechnik, und Bau- und Möbelschreinerei. Eine Frau und acht Männer machen Außenaufträge im Umkreis von Kassel und kümmern sich mit anderen KommunardInnen um unsere eigenen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen.
    - In der Schreinerei, einer GbR, arbeiten z. Zt. eine Frau und ein Mann. Schwerpunkte sind Möbel und Inneneinrichtung, Renovierung/Nachbau alter Haus- und Zimmertüren, Oberflächenbehandlung mit Naturharzprodukten, Hölzer möglichst aus regionalem Bestand, Verwendung baubiologisch anerkannter Produkte, Erhaltung alter Innenausbausubstanz.
    - Im Architekturbüro werden ökologische Bauplanung und -beratung sowie Energieberatung und -konzepte angeboten.
    - In der Verwaltung kümmern sich ein Mann und drei Frauen um Kapital und laufende Finanzen, Hausverwaltung und verwaltungstechnische Dienste für Kommune, Vereine und Betriebe. Im Grundsatzpapier steht, daß in diesem Bereich rotiert werden soll, dies geschieht bisher nicht in dem Maße, wie wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten. Zum einen weil Kontinuität und eine gewisse Professionalität nötig sind, zum anderen wird der befürchteten Machtanhäufung durch Transparenz entgegengesteuert. Darüber hinaus gibt es so etwas wie eine "natürliche" Rotation, bisher arbeiteten bereits elf KommunardInnen in diesem Bereich.
    - In der Näh- und Lederwerkstatt arbeitet eine Frau. Ziele: Grundbekleidung entwickeln und herstellen, welche lange haltbar ist und zu der mensch Beziehungen knüpfen kann. Parallel dazu Informationen erarbeiten und weitergeben über die politischen wirtschaftlichen und menschenverachtenden Auswirkungen der internationalen Textilindustrie. Schwerpunkt: Frauen.
    - Die Beratungsgruppe Komm-Rat (vier Frauen und zwei Männer aus Tagungshaus und Verwaltung) bietet Projektberatung für Lebensgemeinschaften, selbstverwaltete Betriebe, Vereine und Verbände an.
    - Eine Kommunardin hat seit Frühjahr 2000 auf dem Gelände eine Praxis als Heilpraktikerin.
    - Es gibt zur Zeit 8 KommunardInnen die nicht in kommuneeigenen Arbeitsbereichen arbeiten. Sie arbeiten in Reha-Kliniken, in der ambulanten Jugendhilfe, in der Sozialstation in Kaufungen, in psychotherapeutischer Praxis, im Elektronikbereich, in der Behindertenarbeit und im Sportgeschäft. 7 weitere KommunardInnen sind zur Zeit nicht oder nur zum Teil in Arbeitsbereiche eingebunden.
    - Ab 2002 wird es auf dem Gelände der Kommune einen Arbeitsbereich Tagespflege für altersverwirrte Menschen geben. Wir möchten gern weitere Arbeitsbereiche aufbauen bzw. bestehende sinnnvoll ergänzen. Dabei sind die im Grundsatzpapier eingezeichneten Arbeitsbereiche sicher hier nicht alle möglich, weil zum Teil schon außerhalb vorhanden (Freie Schule) oder zur Zeit nicht konsensfähig. Wir freuen uns über Leute, die hier mit Phantasie und Engagement, aber auch ökonomischem Realismus, neue Arbeitsbereiche aufbauen wollen.
    Erfahrungen mit kollektiven Arbeiten
    Wir erleben es je nach Arbeitsbereichen und personeller Zusammensetzung als unterschiedlich; es überwiegen die positiven Erfahrungen. Es gibt Konflikte aufgrund von (z. T. geschlechtsspezifischen) Qualifikationsunterschieden und Herangehensweisen an Arbeit, verdeckter Hierarchiebildung, EinzelarbeiterInnentum, inhaltlichen Kontroversen und Antipathien, die wir - teilweise unter Hinzuziehung von Supervision - versuchen, in konstruktive Bahnen zu lenken. Die Arbeitsbereiche entscheiden autonom über die Verwendung der Investitionskredite, die die Kommune gewährt, ebenso über ihre inhaltliche Organisation. Information, Transparenz und Diskussion findet u. a. über die etwa jährlich dem Plenum vorgelegten Arbeitsbereichsberichte statt. Im Großen und Ganzen haben sich unsere Einschätzungen im Grundsatzpapier, was eine Begründung der Produktionsbereiche, einen Sinnzusammenhang und sinnvolle Arbeitsinhalte angeht, im kollektiven Arbeiten als praktikabel erwiesen. Gleichzeitig in mehreren Arbeitsbereichen zu arbeiten hat sich dagegen als unrealistisch, weil nicht leistbar und nicht praktikabel erwiesen.
    Arbeitsbedürfnisse
    Unser Grundsatzpapier ist so breit angelegt, daß sich dort Menschen mit sehr unterschiedlichen Gedanken, Lebens- und Arbeitsvorstellungen wiederfinden können. Diese Tatsache macht sich am deutlichsten in unserem Umgang mit Arbeit und dem Begriff Arbeiten bemerkbar: - Wir arbeiten unterschiedlich viel, unterschiedlich schnell, unterschiedlich verantwortungsvoll und definieren unterschiedlich, was alles Arbeit ist, bzw. ob Arbeit und Freizeit als etwas Getrenntes gesehen werden sollte.
    - Tatsache ist, daß es trotz dieser Unterschiedlichkeiten kein Chaos, sondern ein Netz von Regeln, sich Aufeinander-Beziehen und Ineinander-Übergreifen zu Tätigkeiten gibt, das eine haltbare Alltags-Arbeitsstruktur bildet.
    - Tatsache ist auch, daß durch die Kommunestruktur viele zeitaufwendige, von manchen ungeliebte Tätigkeiten (z. B. Kochen, Verwaltung) individuell wegfallen, aber andere Tätigkeiten hinzukommen (z. B. Plenumsprotokolle schreiben, sich mit Einstiegsinteressierten auseinandersetzen, über KommunardInnen-Altersversorgung nachdenken). Die unterschiedlichen Umgehensweisen mit Arbeit können wir einerseits gut stehenlassen (gemäß unseren, Marx entlehnten Vorstellungen, "Jede/r nach seinen/ihren Fähigkeiten, jede/r nach ihren/seinen Bedürfnissen", wie im Grundsatzpapier formuliert, und sehen sie als einen Wert, den wir auch so entwickeln wollen. ndererseits wirft es in der Praxis oft Probleme auf:
    Im Grundsatzpapier ist z.B. eine Plenumsteilnahme, Kultur schaffen und politische Arbeit als Arbeit definiert. Das ist sie auch ohne Zweifel. Aber wir haben unter uns noch keinen Konsens darüber gefunden, ob und in welchem Ausmaß sie Teil einer bestimmten Regelarbeitszeit ist, von der wir hier überwiegend ausgehen. Widersprüchliches steht gar im Grundsatzpapier auch zum Ausgehen von einem Acht-Stunden-Tag auf der einen, und der Aufhebung der Trennung von Arbeit und Freizeit auf der anderen Seite. An der Trennung letzterer wird überwiegend festgehalten, allerdings auch deshalb, weil ein Wunsch nach gleicher Arbeitsverteilung da ist, der anders erstmal nicht als realisierbar erscheint.

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      3.2 Alltagsorganisation
    Normalerweise werden die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen; dabei gibt es feste Zeiten: 8 Uhr, 13 Uhr, 18 Uhr, jeweils eine Stunde. Die Arbeiten, die von der Küche als Arbeitsbereich nicht übernomen werden, werden von den KommunardInnen reihum gemacht: Für Kochen und Abwaschen am Wochenende, Mittagsspül- und Abendbrotdienste unter der Woche sind die Wohngruppen abwechselnd zuständig. Für das Spülen nach dem Abendessen und die Frühstückszubereitung gibt es feste Gruppen. Das Putzen der Gemeinschaftsräume, Treppenhäuser, Hauswerkstatt etc. findet Samstagvormittags gemeinsam statt; die Pflege des Gartens bleibt dem individuellen Gestaltungsdrang der einzelnen KommunardInnen überlassen. Ein unbestreitbar zentrales Element der Alltagsorganisation ist der Autoplan, wo mensch einträgt, wann er/sie mit welchem Auto wohin fährt; dadurch sind wir in der Lage, mit zur Zeit 7 Pkws auszukommen; jedes der Autos hat eineN PatIn, der/die für seine Funktionsfähigkeit verantwortlich ist. Hinzu kommen noch 2 Transportfahrzeuge, die fest den Handwerksbetrieben zugeordnet sind. Ein Fahrzeug wird zur Zeit mit Erdgas, eins elektrisch und eines mit Rapsöl betrieben. Neben den Autos haben wir ein DB-Großkundenabo, was das Bahnfahren etwas verbilligt, sechs übertragbare Busmonatskarten und selbstverständlich einen Schuppen voller Fahrräder. Weitere Gemeinschaftseinrichtungen sind die Bibliothek (ca. 30 qm voll mit Büchern), die Kleiderkammer bzw. Kinderkleiderkammer, in der Mensch nachschauen kann, bevor er/sie zum Kaufhaus läuft, und die Waschküche, in der 2 Waschmaschinen für die ganze Kommune ausreichen. Desweiteren stehen für alle, die sich außerhalb ihrer Arbeit noch anderweitig selbst verwirklichen wollen, die Hauswerkstatt, ein Musikraum, ein Atelier und ein großer Mehrzweckraum zur Verfügung. In den letzten Jahren hat die Kommune auch schon begonnen, ihre eigenen Traditionen zu entwickeln:
    - das Weihnachtsfeuer auf einem nahegelegenen Berg ist zur festen Einrichtung geworden;
    - alljährlich findet ein Hoffest statt (siehe 3.3);
    - zweimal jährlich macht die Kommune Klausurtage, um sich einige Tage in Kleingruppen intensiv einem anstehenden Themenkomplex zu widmen.
    - je nach Jahreszeit finden gemeinschaftliche Arbeitsaktionen statt: Zur Heuernte, zur Obst- und Gemüseernte, zum Einmachen sowie bei der Holzbeschaffung und dem Heizen der Stückholzheizung, die ab 2001 das Gesamtgelände versorgen soll. Neben dem einmal wöchentlich stattfindenden Plenum gibt es in einigen Wohngruppen einen festen Wohngruppenabend in der Woche; außerdem gibt es für manche Kommunebelange wie Ausbauplanung, Alterssicherung etc. feste Gruppen, die nach Bedarf vom Plenum eingerichtet werden und z.T. für längere Zeit bestehen; weitere Kleingruppen wie z.B. Frauen-, Polit-, Yogagruppe entstehen und vergehen nach Lust und Bedürfnis der KommunardInnen.

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      3.3 Öffentlichkeitsarbeit und Außenkontakte
    Unsere Kontakte nach "Außen" sind nur schwer übersichtlich darzustellen: Sie sind in einigen Fällen Ausdruck der Neigungen einzelner, häufiger ein Interressenzusammmenschluß mehrerer Leute von uns und eher selten klar definiertes Gesamt-Kommuneanliegen. Mal stehen dabei die persönlichen Komponenten im Vordergrund, mal die ökonomischen, mal die politischen - meistens spielen alle drei Ebenen mit hinein. Das Gemeinsame besteht in unserem Wunsch und Willen, keine "heile Insel" inmitten des kaputten kapitalistisch-patriarchalen BRD-Sumpfes sein oder werden zu wollen. Angestrebt wird also ein reger - sich hoffentlich gegenseitig befruchtender - Austausch mit der näheren und weiteren Umgebung.
    a) Kommune Öffentlichkeitsarbeit
    Wir haben den Anspruch, unsere Inhalte offensiv nach außen zu vertreten. Unser Tagungshaus verstehen wir als "Drehscheibe unserer Ideen". Wir veranstalten eigene Seminare und stellen das Haus anderen Gruppen und Organisationen zur Verfügung. Interessierten Gruppen berichten wir von unseren Ideen und unserem Alltag. Wir halten Vorträge, schreiben Presseartikel, führen Kommune-Informationsveranstaltungen in anderen Städten durch, etc. Jeden zweiten Monat findet Samstags ein Infonachmittag statt. Jährlich veranstalten wir unser Hoffest, zu dem wir die Bevölkerung aus der näheren Umgebung, FreundInnen und Bekannte und uns nahestehende Initiativen und Projekte einladen. Für Menschen, die eigene Projekte gründen wollen, haben wir bisher zweimal für 250/300 Personen ein großes Gruppengründungstrefffen, das "Los Geht`s" veranstaltet und erwägen dies auch für das Jahr 2001.
    b) Außenkontakte
    Die Gemeinde Kaufungen mit ihren inzwischen etwa 12.000 EinwohnerInnen stellt schon lange keine Dorfidylle mehr dar, hat eher Klein- bzw. Vorstadtcharakter. Unsere nachbarschaftlichen Beziehungen sind gemessen an der Unterschiedlichkeit der Lebensentwürfe zufriedenstellend, die Kontakte und unser Bekanntheitsgrad nehmen zu (Beteiligung am Dorffest, Hofladen, eigenes Hoffest), wobei gerade Arbeitsbeziehungen eine sehr wichtige Funktion haben. Kassel als größte Stadt der Region ist ein wichtiger Bezugspunkt. Dort arbeiten einige von uns, haben dort FreundInnen, gehen ihren Hobbies nach und engagieren sich in politischen Initiativen. In der Umgebung gibt es einige Projekte, zu denen wir freundschaftliche und/oder ökonomische Kontakte pflegen. Als Einzelpersonen engagieren wir uns nach unseren jeweiligen Interessen und Einstellungen, in gemischten, Männer- und Frauenzusammenhängen. Jährlich findet ein bundesweites Kommune-Treffen statt (1991 waren wir GastgeberInnen), zu Kommunen in Dänemark, Israel, Portugal, den USA und Neuseeland bestehen Verbindungen.

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    4. Gebäude und Bauen Unser Gebäudekomplex im Ortskern von Niederkaufungen war ursprünglich ein großer Gutshof. Anfang der sechziger Jahre wurden die Gebäude vom Vorbesitzer umgebaut zu einem Wohnheim für ausländische ArbeitnehmerInnen; die dadurch entstandene Gebäudestruktur ist trotz einiger Umbauten immer noch sichtbar. Das Gelände in Daten:
    - Die Kommune umfaßt  knapp 10000 qm Grundfläche.
    - Von den insgesamt ca. 56oo qm Gebäudefläche werden ca. 2000 qm als Wohnraum genutzt.
    - Die Gewerbeflächen, Keller und Lagerräume umfassen ca. 2300 qm, wobei ca. 1000 qm an drei gewerbliche Mieter vermietet sind.
    - Das Tagungshaus hat 450 qm, die restlichen 900 qm sind Raum, der noch zum Wohnen oder zu anderen Nutzungen ausgebaut werden kann.
    - Zum Zeitpunkt des Kaufes waren die Gebäude großteils in schlechtem Zustand, durchgehend ohne Wärmedämmung etc.. In der Zwischenzeit wurden fünf Gebäude renoviert und mit Isofloc gedämmt, die meisten Dächer sind inzwischen isoliert. Ende 1996 haben wir einen Aussiedlerhof 10 Fahrradminuten von der Kommune entfernt gekauft. Unser Vieh kommt dort unter. Das Wohnhaus haben wir vermietet.
    - In dem Hauptgebäudekomplex wurde statt der alten Ölheizung ein umweltschonenderes gasbetriebenes Blockheizkraftwerk eingebaut, das neben Wärme auch Strom erzeugt, eine weitere Ölheizung wurde durch eine Gasheizung ersetzt. Die Gewerbehallen wurden gedämmt und deren Ölheizung durch eine moderne Stückholzheizung ersetzt, die 2001 für die Wärmeversorgung des Gesamtgeländes erweitert werden soll.
    - Zwei Regenwassersammelanlagen (Fassungsvermögen 41 000 l) versorgen die zentralen Waschmaschinen, etliche Toiletten und einige Wasserhähne mit Regenwasser.
    - Die Außenflächen waren überwiegend asphaltiert oder geschottert; ein großer Teil hiervon ist inzwischen entsiegelt und in Garten verwandelt worden, dem sein vormaliger Zustand kaum mehr anzusehen ist. Außerdem wurde uns ein an unser Gelände angrenzender Obstgarten von einer Nachbarsfamilie zur Nutzung überlassen.

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    5. Einstieg und Ausstieg
    In den vergangenen Jahren haben wir durchgängig - mit unterschiedlicher Intensität - nach neuen Leuten gesucht, Zeitungsannoncen aufgegeben, Info-Veranstaltungen gemacht sowie kleinere und größere Kennenlerntreffen veranstaltet.
    Als Resultat der bisher gemachten Erfahrungen versuchen wir, den Kennenlernprozeß zwischen Kommune und einstiegsinteressierter Person zu strukturieren:
    Einstieg
    Wer von uns gehört/gelesen hat und einen Einstieg in die Kommune Niederkaufungen für sich in nächster Zeit für möglich hält, wird zu einem "Infowochenende für EinsteigerInnen" (jeden 2. Monat) eingeladen.
    Wer dabei merkt, daß unsere Kommune tatsächlich was für sie/ihn sein könnte, für den/die besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer (oder mehrerer) sogenannter "Kennenlernwochen" (jeden Monat) mit uns zu leben und zu arbeiten. Leute, die ein eher allgemeines, theoretisches oder unkonkretes Interesse an (unserer) Kommune haben, verweisen wir auf die mehrmals jährlich von uns in unserem Tagungshaus veranstalteten Seminare und Bildungsurlaube "Leben in der Kommune" und "Anders leben, anders arbeiten" (Seminarprogramme können angefordert werden). Meistens zieht sich der Kennenlernprozeß Kommune-Interessierter über einen längeren Zeitraum hin. Wer einsteigen möchte, beantragt Probezeit. Jede unserer Wohngruppen wird sich dann in der Regel einen Abend lang mit der-/demjenigen zusammensetzen; alle Beteiligten haben dabei die Möglichkeit, ihre jeweiligen Fragen zu stellen und etwaige Vorbehalte anzusprechen. Für jede neue Person stellen sich "KümmerInnen" zur Verfügung, deren Aufgabe es ist, AnsprechpartnerInnen für diese während der Probezeit zu sein, vor allem auch, möglicherweise auftauchende Konflikte zwischen ProbezeitlerIn und Kommune/KommunardInnen einer Bearbeitung zugänglich zu machen. Vor Probezeitbeginn und zum Probezeitende äußert sich jedeR KommunardIn schriftlich. Die Entscheidung über Probezeitbeginn und Einstieg in die Kommune werden im Konsens getroffen, wobei sich die Kommune in der Regel nach drei Monaten entscheidet, während sich die neue Person bis zu sechs Monate für ihre Entscheidung Zeit lassen kann. Wir erwarten, daß eine neue Person während der Probezeit in einem der hier bestehenden Arbeitsbereiche arbeitet (beziehungsweise ggf. mit Zustimmung der Kommune einen neuen Arbeitsbereich aufbaut) und/oder in eine der bestehenden Wohngruppen einzieht. Während der Probezeit hat die/der Einstiegsinteressierte alle Rechte und Pflichten von "VollkommunardInnen", mit den Ausnahmen, daß er/sie erstens kein Vetorecht gegen Entscheidungen der Kommune hat und zweitens ihr/sein Vermögen noch von der gemeinsamen Ökonomie ausgenommen ist. Nach Ende der Probezeit müssen einsteigende Leute das Geld, was sie besitzen, in die Gemeinsame Ökonomie einbringen.
    Ausstieg
    Ein Ausstieg aus der Kommune ist kurzfristig möglich, vollzieht sich aber erfahrungsgemäß über einen längeren Zeitraum. Es ist erklärte Absicht der Kommune, AussteigerInnen je nach ihren Bedürfnissen - und im Rahmen der Kommunemöglichkeiten - bei einem Neuanfang zu unterstützen. Was die finanziellen Aspekte angeht, so haben wir die Regelung, daß jedeR KommunardIn einen individuellen, rechtsverbindlichen und dem Kommunekonsens unterworfenen "Ausstiegsvertrag" mit der Kommune schließt. In diesem wird festgelegt, wieviel und was im Ausstiegsfall mitgenommen werden kann. Diese Ausstiegsverträge sollen sich an den individuellen Bedürfnissen (und dem für die Kommune Tragbaren) und nicht an der Menge des eingebrachten Geldes orientieren.

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    6. Projektgröße und Perspektiven
    Die im Grundsatzpapier erwähnte und begründete Zielvorstellung, ein Projekt mit ca. 100 Leuten aufzubauen, hat für die Kommune Niederkaufungen nach wie vor Orientierungswert.
    Ob wir jemals so groß werden, wird sich ebenso zeigen, wie welche organisatorischen, aulichen und persönlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, um solch ein Wachstum zu ermöglichen. Perspektiven
    Wir sind eine !!!:
    - Ökonomisch bewegen wir uns stabil und mit Augenmaß in die Zukunft.
    - Politisch beweisen wir, als ein funktionierendes Modell und mit zunehmendem lokalen und (über-)regionalen Bekanntheitsgrad, die Machbarkeit und die gesellschaftlichen Einflußmöglichkeiten unseres Projektes.
    - (Groß)familiär beweisen wir die Eingriffsmöglichkeit in kleinfamiliäre Erziehungs-, Beziehungs- und hausfrauisierte Arbeitstrukturen.
    - Psychisch stressen auch wir uns mit Leistungsdruck, Kommunikations- und Liebesbedürfnissen etc.; hier haben wir aber mehr Möglichkeiten zu struktureller und persönlicher Veränderung als in anderen Lebens- und Arbeitsbezügen. - Größenmäßig können und wollen wir diese Perspektiven noch vielen Kommune-Interessierten mit Lust an Verantwortung, Spaß und Lebensperspektive bieten.