2.1 Linkes Politikverständnis
Das "Linke Politikverständnis" ist
sicherlich unser unpräzisester und dehnbarster Grundsatz;
von grün-ökologischen über marxistische,
feministische bis zu anarchistischen Positionen ist alles
vertreten; in
dem hier stattfindenden Alltagsleben taucht dieser Grundsatz
auf der einen Seite kaum auf, andererseits durchzieht
er jedoch alles. Letztlich beruhen die anderen Grundsätze wie Konsens, gemeinsame Ökonomie,
Auflösung kleinfamiliärer (Macht-)Strukturen auf der Idee einer
anderen, nicht-hierarchischen Gesellschaft, die aus einer linken Gesellschaftsanalyse
erwächst, und von der einige Aspekte im Grundsatzpapier weiter ausgeführt
sind. Insofern wird der Aufbau dieses Projektes von uns als
Realisationsversuch einer anderen Gesellschaft und damit als politische
Aktion verstanden -
vermutlich die einzige politische Arbeit, die alle KommunardInnen gemeinsam
aktiv betreiben. Darüber hinaus ergeben sich zu manchen Themen wie Castortransporten
und dem Bau der A 44 von selbst mehr oder minder kommuneweit getragene
politische Aktivitäten. Die Mitarbeit im Aktionsbündnis gegen
Rechts, in der Frauenbewegung, zur Asylpolitik sowie in eher herkömmlichen
Formen politischer Arbeit wie Flugblätter entwerfen und verteilen,
Demos organisieren, Kontakte zur Kommunalpolitik etc. bleiben jedoch der
individuellen Interessenlage und dem Engagement der Einzelnen überlassen.
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Im Umgang mit Geld vollziehen wir
eine klare Trennung zwischen
a) Vermögen/Kapital und
b) laufender Alltagsökonomie.
a) Unser Vermögen setzt sich zusammen aus den Geldern, die die KommunardInnen
bei Einstieg eingebracht haben (Modalitäten s. u. "Einstieg/Ausstieg")
und aus geliehenem Geld (Banken, Stiftungen, Verwandtschaft, FreundInnen).
Mit diesen Geldmitteln wurden Gebäude gekauft und werden Ausbauten
finanziert; desweiteren bekommen kommuneinterne Arbeitsbereiche Gelder
aus dem "Vermögenstopf" für Investitionen (Maschinen etc.) als
zinslose, aber rückzahlpflichtige Darlehn zur Verfügung gestellt.
b)
Die laufenden Einnahmen unserer Alltagsökonomie setzen sich hauptsächlich
aus den Löhnen bzw. Einkünften der einzelnen Arbeitsbereiche
und den Gehältern der außerhalb der Kommune Beschäftigten
zusammen. Dazu kommen Honorargelder, Arbeitslosengeld und -hilfe, Kindergeld,
Geschenke etc. Ausgegeben wird das Geld
für die Dinge des alltäglichen - und
nicht ganz so alltäglichen -Bedarfs: von
Autos bis
Zahnpasta.
Unsere laufenden Einnahmen und Ausgaben liegen bei rund 1.500 DM/Monat/ErwachseneR,
was jedoch nur eingeschränkt etwas über unseren Lebensstandard
aussagt, weil wir durch die Großgruppenorganisation (Gemeinsame Kleiderkammer
und Bibliothek, gemeinsame Nutzung von Autos, Waschmaschinen, en-gros-Einkäufe
etc.) und unsere niedrigen Wohnkosten viel Geld sparen. Wir
betreiben kein Askeseprojekt und wir entscheiden auch nicht als Gruppe über "wahre" oder "falsche"/kompensatorische
Bedürfnisse. Wir haben keine "Taschengeld-Regelung", sondern jedeR
nimmt nach ihren/seinen Notwendigkeiten/Bedürfnissen aus der gemeinsamen
Kasse. Daß es trotzdem so etwas wie soziale Kontrolle, bzw. die Hinterfragung
und Kritik unseres Konsumverhaltens gibt, steht außer Frage und
ist auch so gewollt. Die finanziellen
Transaktionen von/nach außerhalb und innerhalb
der Kommune werden von unserem Arbeitsbereich "Verwaltung" organisiert
und dokumentiert - es gibt für jeden Monat eine detaillierte
Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben.
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Das bedeutet
bei uns: Alle sind an der Entscheidungsfindung beteiligt;
es gibt keine Abstimmungen;
Vetorecht für jedeN. Im Grundsatzpapier steht: "Wir wollen, daß Entscheidungen möglich
sind, die jede Meinung berücksichtigen und somit von allen getragen
werden können." Wir treffen uns alle einmal
wöchentlich im Plenum, das drei bis vier
Stunden dauert. Die Teilnahme wird erwartet. Seit einiger Zeit nehmen größere
Kinder, wenn sie dies möchten, am Plenum teil und bringen auch
ihre Anliegen ein. Die Form der Entscheidungsfindung
ist im Laufe der Zeit mehrfach weiterentwickelt worden. Anstatt im
Gesamtplenum diskutieren
wir seit geraumer Zeit in mehreren
Plenumskleingruppen zu unterschiedlichen Themen. Dies war zur Entlastung
des Gesamtplenums nötig geworden aufgrund der Vielzahl der anstehenden
Diskussionspunkte, der zunehmenden Größe der Gruppe, in welcher
keine sinnvolle Diskussion mehr geführt werden konnte und der oft
ungleichen Sprech- und Argumentationsgewandtheit der Einzelnen. Dabei hat
sich in den letzten Jahren unsere Regel bewährt, eine Entscheidung,
die getroffen worden ist, erst eine Woche bis zum nächsten Plenum
sacken zu lassen, bis sie, wenn kein Veto kommt, Gültigkeit erlangt.
Das sorgt für mehr Ruhe, Mißverständnisse können geklärt,
eigene Auffassungen können noch einmal überprüft oder anderen
verständlicher gemacht werden. Auch
wenn sich das Konsensprinzip für uns also bewährt hat,
bleibt noch Ungelöstes; z. B. das Problem der VielrednerInnen/Dominierenden
oder kein Veto zu sagen aus der Angst heraus, alleine damit dazustehen
und vielleicht nicht die Kraft zu haben, sich der anschließenden
Diskussion zu stellen. Das bedeutet: In
der Handhabung des Konsensprinzips ist also auch zukünftig
Sensibilität in struktureller und gruppendynamischer Hinsicht
angesagt.
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2.4 Abbau kleinfamiliärer
Strukturen
Die Umsetzung dieses
Grundsatzes hat eine leichter beschreibbare - strukturelle
- Seite und eine viel schwerer zu beschreibende, nämlich
die der individuellen Veränderungen.
Ökonomisch-emanzipatorische
Aspekte
Strukturell haben wir einiges zu bieten:
- Durch unsere Handhabung der Gemeinsamen Ökonomie
und die (formelle) Gleichbewertung von Arbeit verhindern wir die gesellschaftlich nach wie
vor vorherrschende Rollenverteilung zwischen Ernährer und Hausfrau, zwischen
höher bewerteter "produktiver" und niedriger bewerteter "reproduktiver" Arbeit. -
Die Kindergruppe und die Küche sind eigenständige,
vollwertige Arbeitsbereiche und schaffen den Eltern/Erziehenden Freiräume für ihre Arbeit/Freizeit. Trotzdem
begleiten uns natürlich auf individueller
Ebene die für die kleinfamiliären Strukturen verantwortlichen
patriarchal-kapitalistischen Mechanismen in uns auch weiterhin.
Darüber gibt es ab und zu - kommuneweit selten
- streitbare Diskussionen.
Wohn- und Beziehungsaspekte
Z. Zt. gibt es 10 Wohngruppen, eine davon ist eine Lesben/Frauen-Wohngruppe,
eine eine Männer-WG. Die Größe der Wohngruppen ist
sehr unterschiedlich, von drei bis neun Erwachsenen und null bis drei
Kindern/Jugendlichen.. Die Unterteilung in Wohngruppen erweist sich,
wie im Grundsatzpapier angenommen, als gute strukturelle Ansatzmöglichkeit,
unseren kleinfamiliären Strukturen zu begegnen. Wobei
sich unsere Schwierigkeiten nicht grundsätzlich von
den in der Gesellschaft üblichen unterscheiden, und
wir auch mit Eifersucht, Angst vor Liebesentzug und Ablehnung,
Macht- und Besitzdenken in Zweierbeziehungen (und in der
Gesamtgruppe) zu kämpfen haben. Wie jedoch die idealen
Beziehungstrukturen der Erwachsenen untereinander und
die zwischen Erwachsenen und Kindern aussehen,
darüber gibt es nur selten eine Diskussion mit allen
KommunardInnen. Ob Kinder sehr enge Bezüge zu ihren
Eltern brauchen oder lieber viele möglichst gleichberechtigte
Kontaktpersonen, ob die Zweierbeziehung Teil der Lösung
oder vielmehr Teil des Problems ist und welche anderen Beziehungsformen
denn anstrebenswert und lebbar sind ...; zu all diesen Fragen
gibt es bei uns unterschiedliche Meinungen und Realitäten. Dementsprechend
leben wir hier entweder in mehr oder weniger "festen" Zweierbeziehungen,
Mehrfachbeziehungen oder "Solo". Es gibt heterosexuelle
und lesbische Beziehungen. Neben den intimen Beziehungsstrukturen
sind in der Kommune alle in ein vielfältiges Netz von Beziehungen mit den
anderen verstrickt; Arbeitsbereiche, Wohngruppen, Plenumskleingruppen,
Arbeitsgruppen, Essenssituationen etc. - ständig begegnen
wir einander, setzen uns in Beziehung oder grenzen uns ab,
sehen andere unseren Frust und unsere Freude, erleben unsere
Macken, Schwächen und Stärken. Da ergeben sich
selbstverständlich eine Menge von Konflikten, Reibungen,
Auseinandersetzungen, trifft doch jedeR auch auf andere,
die ihn/sie durch ihr Verhalten unbewußt genau an
den empfindlichsten Punkten treffen. Diese persönlichen Konflikte, die auftauchen, sei
es im Arbeitsbereich, in der Wohngruppe oder sonstwo, sind
meist die schwierigsten, langwierigsten und schmerzvollsten
Probleme in der Kommune, nicht etwa Auseinandersetzungen
um gemeinsame Ökonomie oder Konsens, wie die meisten
Außenstehenden vermuten. Häufig spiegeln sich
in diesen Auseinandersetzungen auch gesellschaftliche Konflikte
wieder, tragen wir doch alle aus unserer Vergangenheit gesellschaftliche
Bewertungen wie z. B. nach Können oder Arbeitsmoral
etc. in uns und bringen geschlechtsspezifisch geprägte
Rollenverhalten und Reaktionsmuster mit. Zur Konfliktbewältigung
werden manchmal nicht direkt betroffene KommunardInnen
hinzugezogen. Dazu haben wir seit
Sommer 2000 ein Gremium installiert (Hausschlichtung Kommune). Seit
Januar 1999 treffen sich ca. 25 KommunardInnen zum sozialen
Forum. Dort haben alle die Möglichkeit, sich
selber darzustellen - mit ihren Gefühlen und ihrer
persönlichen Betroffenheit. Der Kreis der Teilnehmenden
bildet dazu einen geschützten Raum. Das Forum ist nicht
vorrangig auf Lösungen eines Themas ausgerichtet. Es
dient dazu, Verständnis untereinander zu fördern
um sich besser kennen und schätzen zu lernen.
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2.4.1 Kinder und Jugendliche
in der Kommune
Im Herbst 2000
leben in unserer Kommune siebzehn Kinder und Jugendliche
im Alter von 4 Monaten bis
18 Jahren. Zwei Kinder gehen in unsere Kindertagesstätte,
14 Kinder/Jugendliche gehen in Regelschulen am Ort oder
in Kassel. Der ehemals interne Kinderbereich,
in dem ursprünglich vorwiegend
Kommunekinder vormittags betreut wurden, ist seit Mai `92 eine, offiziell
anerkannte, integrative altersstufenübergreifende Kindertagesstätte,
die außer von zwei Kommunekindern, von 15 Kindern aus Kaufungen
und Umgebung besucht wird. Einmal im
Jahr fahren die Kommunekinder für zwei Wochen - überwiegend
mit Nicht-Eltern - in Kinderurlaub. Die
Nachmittagsbetreuung der Kinder liegt meist bei den Eltern, die hierfür
von dem jeweiligen Arbeitsbereich freigestellt sind, zum Teil übernehmen
sie jedoch auch andere KommunardInnen - hier wird das Spannungsverhältnis
von gemeinsam als richtig erkannten Zielen (gemeinsame Verantwortung für
Kinder) und der Individualität der hier lebenden Menschen deutlich:
Die Spannbreite reicht von KommunardInnen, die sich als Nicht-Eltern in
regelmäßiger Verantwortung an der Nachmittagsbetreuung und
dem Zubettbringen der Kinder beteiligen, bis zu anderen, die wenig
mit Kindern
zu tun haben wollen. Durchgängig läßt sich jedoch beobachten, daß die
Kinder neben ihren Eltern noch andere wichtige Bezugspersonen haben, so
daß es z. B. möglich ist, daß Eltern ohne Kinder (und
umgekehrt) wegfahren können - ein Zeichen dafür, daß sich
die sonst zwangsläufige Angewiesenheit der Kinder auf die Eltern
bzw. die Angebundenheit der Eltern durch die Kinder gelockert hat. Nicht
nur in ihrem Verhältnis zu Erwachsenen, sondern auch untereinander
entwickeln die Kinder vielfältige Beziehungen. Sie haben Kontakte
zu älteren und jüngeren (Kommune-)Kindern, finden ihre Wege sich
zu streiten und sich zu vertragen und entwickeln immer mehr ein von den
Erwachsenen unabhängiges Gruppengeschehen. Anfang
1991 entstand eine intensive Diskussion über die Frage "Wie
viele Kinder wollen wir hier?", ausgelöst durch plötzlich gehäuft
auftretendes Einstiegsinteresse von Leuten mit Kindern. Die Auseinandersetzung
führte zu dem bis heute gültigen Beschluß, beim weiteren
Wachsen der Kommune ein Verhältnis von drei Erwachsenen zu einem Kind
beibehalten zu wollen, wobei diese Regelung keine große Freude hervorrief,
sondern von vielen eher als Notlösung empfunden wird. Inzwischen
sind viele unserer Kinder Jugendliche - werden gerade junge Erwachsene.
Wir machen so erste Erfahrungen bezüglich ihres Kommunestatus.
Bisher gibt es für sie individuelle Regelungen. Ob für sie die
gleichen Regelungen wie für die KommunardInnen gelten sollen,
wird zur Zeit zum Teil kontrovers diskutiert.
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2.5 Abbau geschlechtsspezifischer
Machtstrukturen
Ä hnlich
wie "Linkes Politikverständnis" und "Abbau
kleinfamiliärer Strukturen" ist dieser Grundsatz
schwer zu greifen. eschlechtsspezifische Machtstrukturen
durchziehen alle unsere Lebensbereiche und wir werden
damit - auf unterschiedliche
Weise und in verschiedenem
Ausmaß - auch in der Kommune konfrontiert: bei der Arbeit,
in der Wohngruppe, in unseren Beziehungen, im Diskussionsverhalten...
Es gibt in der Kommune einige Strukturen, die zum Abbau geschlechtsspezifischer
Macht beitragen:
- Männer und Frauen sind gleichermaßen an der Kindererziehung/-betreuung
beteiligt,
- durch die Aufwertung der Reproduktionsbereiche Kinder und Küche
fallen diese nicht mehr alleine in den Zuständigkeitsbereich der Frauen. Für die
Gemeinschaftsräume gibt es einen Putzplan, so daß alle KommunardInnen gleichermaßen
zuständig sind,
- die Praxis, Plenumsdiskussionen in Kleingruppen zu führen, trägt
dazu bei, daß Frauen mehr zu Wort kommen,
- alle KommunardInnen sind "berufstätig"; Frauen wie Männer bauen
Arbeitsbereiche auf und arbeiten in ihnen.
- es gibt sich bewußt als solche verstehende Frauen/Lesben- und Männer-WGs
Außerdem hat sich das Sprachverhalten der Kommune zugunsten einer
weniger frauenfeindlichen Sprache verändert, im Tagungshaus
gibt es immer wieder Seminare zu frauen- und männerbezogenen
Themen. Aber trotz allem können wir die gesellschaftliche Realität
nicht aussperren. Wir werden täglich damit konfrontiert und
sind unterschiedlich davon betroffen. Und wir bringen natürlich
unsere geschlechtsspezifische Sozialisation mit in die Kommune und
tun uns schwer damit, uns von
dem erlernten Rollenverhalten
zu befreien.
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3.
Alltag
Unsere Arbeitsbereiche
Wir arbeiten alle in produktiven oder reproduktiven
Arbeitsbereichen der Kommune oder in einer Arbeitsstelle
als AußenarbeiterInnen in anderen
Organisationen, Vereinen und Betrieben. Dies sichert nicht nur unsere ökonomische
Reproduktion/Existenz, sondern die Arbeitsbereiche gehen in ihrer Bedeutung
für uns weit darüber hinaus. Für uns bedeutet alternative Produktionsweise: Bezug zu den Produkten,
die wir herstellen oder verbrauchen, Abbau von entfremdeter Arbeit, Grundbedürfnisse
z. T. selbst abdecken zu können, Aufwertung von reproduktiver (Hausfrauen-)Arbeit
durch eigenständige Arbeitsbereiche, Abbau geschlechtsspezifischer
Arbeitsstrukturen. Diesen Zielen werden wir natürlich z. T. nur
tendenziell gerecht, wobei wir keine komplette Selbstversorgung oder
gar Autarkie anstreben. Unsere Arbeitsbereiche
sollen als funktionierende Kollektivmodelle Mittel zum Zweck sein,
uns in ökologisch-ökonomischer
Hinsicht in das regionale Wirtschaften einzuschalten.
Folgende
Arbeitsbereiche gibt es bereits hier:
- In unserer integrativen
Kindertagesstätte DIE WÜHLMÄUSE
arbeiten 4 Frauen ein Mann. Die Einrichtung ist seit 1992 staatl. anerkannt.
Vom ersten Lebensjahr zur Schulreife werden z.Zt. 17 Kinder betreut und begleitet,
zwei davon sind Kommunekinder.
- Der Arbeitsbereich
Gemüsebau ist Biolandbetrieb; hier arbeiten
zwei Frauen die von weiteren KommunardInnen tatkräftig unterstützt werden.
Die Kommune, das Tagungshaus, der Hofladen und der Wochenmarkt in Kassel werden beliefert.
Die 2 ha Gemüsefläche des AB`s Gemüsebau sind überwiegend
angepachtet. Einen Acker haben wir 1994 gekauft.
- Im Arbeitsbereich
Viehhaltung arbeiten
inzwischen 2 Männer
und eine Frau. Sie bewirtschaften rund 16 ha biologisch und beliefern fast ausschließlich
die Kommune mit Fleisch, Wurst, Milch, Käse und anderen Milchprodukten.
- Im
Tagungs- und Begegnungshaus arbeiten
zwei Frauen und drei Männer. Das Tagungshaus hat 27 Plätze in 2- und 3-Bettzimmern und mehrere
Tagungsräume. Es wird sowohl an externe Gruppen vermietet, die eigene Seminare durchführen,
als auch für eigene Bildungsarbeit genutzt. Das Bildungsangebot beinhaltet
Seminare und Bildungsurlaube zu Themen wie "Anders leben - anders arbeiten", "Nachhaltigkeit -Subsistenzperspektive", "Männer- Frauen- Rolle", "Altersvorsorge" und
Zukunftswerkstätten. Diese und ähnliche Seminare werden auch
auf Anfrage für
Gruppen und Schulklassen durchgeführt.
- Unser Arbeitsbereich
Ernährung verpflegt diese Gruppen,
mit Vollwertkost. Außerdem nimmt er Außenaufträge, z. B. für Buffets,
an. Hauptsächlich aber verpflegter die Kommune. Dort arbeiten z. Zt. drei Männer und eine Frau.
- Die
Komm-Bau GmbH besteht
aus den Bereichen Bau - Wärmedämmung
- Innenausbau, Metallbau und Fahrradabstellanlagen, Regenwassertechnik,
und Bau- und Möbelschreinerei. Eine Frau und acht Männer machen Außenaufträge
im Umkreis von Kassel und kümmern sich mit anderen KommunardInnen
um unsere eigenen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen.
- In der
Schreinerei, einer GbR, arbeiten z. Zt. eine Frau und
ein Mann. Schwerpunkte sind Möbel und Inneneinrichtung, Renovierung/Nachbau
alter Haus- und Zimmertüren, Oberflächenbehandlung mit Naturharzprodukten,
Hölzer möglichst aus regionalem Bestand, Verwendung baubiologisch anerkannter Produkte,
Erhaltung alter Innenausbausubstanz.
- Im
Architekturbüro werden ökologische
Bauplanung und -beratung sowie Energieberatung und -konzepte angeboten.
- In der
Verwaltung kümmern
sich ein Mann und drei Frauen um Kapital und laufende Finanzen, Hausverwaltung und verwaltungstechnische Dienste für Kommune, Vereine und Betriebe. Im Grundsatzpapier steht, daß in
diesem Bereich rotiert werden soll, dies geschieht bisher nicht in dem Maße,
wie wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten. Zum einen weil Kontinuität
und eine gewisse Professionalität nötig sind, zum anderen wird der befürchteten
Machtanhäufung durch Transparenz entgegengesteuert. Darüber hinaus gibt es so etwas wie
eine "natürliche" Rotation, bisher arbeiteten bereits elf KommunardInnen in diesem Bereich.
-
In der
Näh-
und Lederwerkstatt arbeitet eine Frau. Ziele:
Grundbekleidung entwickeln und herstellen, welche lange haltbar ist und zu der mensch
Beziehungen knüpfen kann. Parallel dazu Informationen erarbeiten und weitergeben über
die politischen wirtschaftlichen und menschenverachtenden Auswirkungen der internationalen Textilindustrie. Schwerpunkt: Frauen.
- Die Beratungsgruppe
Komm-Rat (vier
Frauen und zwei Männer
aus Tagungshaus und Verwaltung) bietet Projektberatung für Lebensgemeinschaften,
selbstverwaltete Betriebe, Vereine und Verbände an.
-
Eine Kommunardin hat seit Frühjahr 2000 auf dem Gelände
eine Praxis als
Heilpraktikerin.
- Es gibt zur Zeit 8 KommunardInnen die nicht in kommuneeigenen Arbeitsbereichen arbeiten. Sie arbeiten in Reha-Kliniken, in der ambulanten Jugendhilfe,
in der Sozialstation in Kaufungen, in psychotherapeutischer Praxis, im Elektronikbereich,
in der Behindertenarbeit und im Sportgeschäft. 7 weitere KommunardInnen
sind zur Zeit nicht oder nur zum Teil in Arbeitsbereiche eingebunden.
- Ab 2002 wird es auf dem Gelände der
Kommune einen Arbeitsbereich Tagespflege für altersverwirrte Menschen geben. Wir
möchten gern weitere Arbeitsbereiche aufbauen bzw. bestehende
sinnnvoll ergänzen. Dabei sind die im Grundsatzpapier eingezeichneten
Arbeitsbereiche sicher hier nicht alle möglich, weil zum Teil schon
außerhalb vorhanden (Freie Schule) oder zur Zeit nicht konsensfähig.
Wir freuen uns über Leute, die hier mit Phantasie und Engagement,
aber auch ökonomischem Realismus, neue Arbeitsbereiche aufbauen
wollen.
Erfahrungen mit kollektiven Arbeiten
Wir erleben es je nach Arbeitsbereichen und personeller Zusammensetzung
als unterschiedlich; es überwiegen die positiven Erfahrungen.
Es gibt Konflikte aufgrund von (z. T. geschlechtsspezifischen) Qualifikationsunterschieden
und Herangehensweisen an Arbeit, verdeckter Hierarchiebildung, EinzelarbeiterInnentum,
inhaltlichen Kontroversen und Antipathien, die wir - teilweise unter
Hinzuziehung von Supervision - versuchen, in konstruktive Bahnen
zu lenken. Die Arbeitsbereiche entscheiden
autonom über die Verwendung der Investitionskredite,
die die Kommune gewährt, ebenso über ihre inhaltliche Organisation.
Information, Transparenz und Diskussion findet u. a. über die etwa
jährlich dem Plenum vorgelegten Arbeitsbereichsberichte statt. Im
Großen und Ganzen haben sich unsere Einschätzungen im Grundsatzpapier,
was eine Begründung der Produktionsbereiche, einen Sinnzusammenhang
und sinnvolle Arbeitsinhalte angeht, im kollektiven Arbeiten als
praktikabel erwiesen. Gleichzeitig in mehreren Arbeitsbereichen zu
arbeiten
hat sich dagegen als unrealistisch, weil nicht leistbar und nicht
praktikabel erwiesen.
Arbeitsbedürfnisse
Unser Grundsatzpapier ist so breit angelegt, daß sich dort Menschen
mit sehr unterschiedlichen Gedanken, Lebens- und Arbeitsvorstellungen wiederfinden
können. Diese Tatsache macht sich am deutlichsten in unserem
Umgang mit Arbeit und dem Begriff Arbeiten bemerkbar: - Wir arbeiten
unterschiedlich viel, unterschiedlich schnell, unterschiedlich verantwortungsvoll und definieren unterschiedlich, was alles Arbeit ist,
bzw. ob Arbeit und Freizeit als etwas Getrenntes gesehen werden sollte.
- Tatsache ist, daß es trotz dieser
Unterschiedlichkeiten kein Chaos, sondern ein Netz von Regeln, sich Aufeinander-Beziehen und Ineinander-Übergreifen zu
Tätigkeiten gibt, das eine haltbare Alltags-Arbeitsstruktur bildet.
- Tatsache ist auch, daß durch die
Kommunestruktur viele zeitaufwendige, von manchen ungeliebte Tätigkeiten (z. B. Kochen, Verwaltung) individuell
wegfallen, aber andere Tätigkeiten hinzukommen (z. B. Plenumsprotokolle schreiben, sich
mit Einstiegsinteressierten auseinandersetzen, über KommunardInnen-Altersversorgung nachdenken). Die unterschiedlichen Umgehensweisen
mit Arbeit können wir einerseits
gut stehenlassen (gemäß unseren, Marx entlehnten Vorstellungen, "Jede/r
nach seinen/ihren Fähigkeiten, jede/r nach ihren/seinen Bedürfnissen",
wie im Grundsatzpapier formuliert, und sehen sie als einen Wert,
den wir auch so entwickeln wollen. ndererseits wirft es in der
Praxis oft Probleme auf:
Im Grundsatzpapier ist z.B. eine Plenumsteilnahme, Kultur schaffen
und politische Arbeit als Arbeit definiert. Das ist sie auch
ohne Zweifel.
Aber wir haben unter uns noch keinen Konsens darüber gefunden, ob
und in welchem Ausmaß sie Teil einer bestimmten Regelarbeitszeit
ist, von der wir hier überwiegend ausgehen. Widersprüchliches
steht gar im Grundsatzpapier auch zum Ausgehen von einem Acht-Stunden-Tag
auf der einen, und der Aufhebung der Trennung von Arbeit und Freizeit
auf der anderen Seite. An der Trennung letzterer wird überwiegend
festgehalten, allerdings auch deshalb, weil ein Wunsch nach gleicher
Arbeitsverteilung da ist, der anders erstmal nicht als realisierbar
erscheint.
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Normalerweise
werden die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen; dabei
gibt es feste Zeiten: 8 Uhr,
13 Uhr, 18 Uhr, jeweils eine Stunde. Die Arbeiten, die
von der Küche als Arbeitsbereich nicht übernomen werden,
werden von den KommunardInnen reihum gemacht: Für Kochen
und Abwaschen am Wochenende, Mittagsspül- und Abendbrotdienste
unter der Woche sind die Wohngruppen abwechselnd zuständig.
Für das Spülen nach dem Abendessen und die Frühstückszubereitung
gibt es feste Gruppen. Das Putzen der Gemeinschaftsräume, Treppenhäuser, Hauswerkstatt
etc. findet Samstagvormittags gemeinsam statt; die Pflege des Gartens bleibt
dem individuellen Gestaltungsdrang der einzelnen KommunardInnen überlassen. Ein
unbestreitbar zentrales Element der Alltagsorganisation ist der Autoplan,
wo mensch einträgt, wann er/sie mit welchem Auto wohin fährt;
dadurch sind wir in der Lage, mit zur Zeit 7 Pkws auszukommen; jedes der
Autos hat eineN PatIn, der/die für seine Funktionsfähigkeit verantwortlich
ist. Hinzu kommen noch 2 Transportfahrzeuge, die fest den Handwerksbetrieben
zugeordnet sind. Ein Fahrzeug wird zur Zeit mit Erdgas, eins elektrisch
und eines mit Rapsöl betrieben. Neben
den Autos haben wir ein DB-Großkundenabo, was das Bahnfahren
etwas verbilligt, sechs übertragbare Busmonatskarten und selbstverständlich
einen Schuppen voller Fahrräder. Weitere
Gemeinschaftseinrichtungen sind die Bibliothek (ca. 30 qm voll mit
Büchern), die Kleiderkammer bzw. Kinderkleiderkammer, in der Mensch
nachschauen kann, bevor er/sie zum Kaufhaus läuft, und die Waschküche,
in der 2 Waschmaschinen für die ganze Kommune ausreichen. Desweiteren
stehen für alle, die sich außerhalb ihrer Arbeit
noch anderweitig selbst verwirklichen wollen, die Hauswerkstatt, ein Musikraum,
ein Atelier und ein großer Mehrzweckraum zur Verfügung.
In den letzten Jahren hat die Kommune auch schon begonnen, ihre
eigenen Traditionen zu entwickeln:
- das Weihnachtsfeuer auf einem nahegelegenen Berg ist zur festen Einrichtung geworden;
- alljährlich findet ein Hoffest statt (siehe 3.3);
- zweimal jährlich macht die Kommune Klausurtage, um sich einige Tage
in Kleingruppen intensiv einem anstehenden Themenkomplex zu widmen.
- je nach Jahreszeit finden gemeinschaftliche Arbeitsaktionen statt: Zur
Heuernte, zur Obst- und Gemüseernte, zum Einmachen sowie bei der Holzbeschaffung
und dem Heizen der Stückholzheizung, die ab 2001 das Gesamtgelände
versorgen soll. Neben dem einmal wöchentlich stattfindenden Plenum gibt es in einigen
Wohngruppen einen festen Wohngruppenabend in der Woche; außerdem
gibt es für manche Kommunebelange wie Ausbauplanung, Alterssicherung
etc. feste Gruppen, die nach Bedarf vom Plenum eingerichtet werden und
z.T. für längere Zeit bestehen; weitere Kleingruppen wie z.B.
Frauen-, Polit-, Yogagruppe entstehen und vergehen nach Lust und Bedürfnis
der KommunardInnen.
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3.3 Öffentlichkeitsarbeit und Außenkontakte
Unsere Kontakte
nach "Außen" sind
nur schwer übersichtlich darzustellen: Sie sind in einigen
Fällen Ausdruck der Neigungen einzelner, häufiger
ein Interressenzusammmenschluß mehrerer Leute von uns
und eher selten klar definiertes Gesamt-Kommuneanliegen. Mal
stehen dabei die persönlichen Komponenten im Vordergrund,
mal die ökonomischen, mal die politischen - meistens
spielen alle drei Ebenen mit hinein. Das Gemeinsame besteht
in unserem Wunsch und Willen, keine "heile Insel" inmitten
des kaputten kapitalistisch-patriarchalen BRD-Sumpfes sein oder werden
zu wollen. Angestrebt wird also ein reger - sich hoffentlich gegenseitig
befruchtender - Austausch mit der näheren und weiteren Umgebung.
a)
Kommune Öffentlichkeitsarbeit
Wir haben den Anspruch, unsere Inhalte offensiv nach außen
zu vertreten. Unser Tagungshaus verstehen
wir als "Drehscheibe unserer Ideen". Wir veranstalten
eigene Seminare und stellen das Haus anderen Gruppen und Organisationen
zur Verfügung. Interessierten Gruppen berichten wir von unseren Ideen
und unserem Alltag. Wir halten Vorträge, schreiben Presseartikel,
führen Kommune-Informationsveranstaltungen in anderen Städten
durch, etc. Jeden zweiten Monat findet Samstags ein Infonachmittag
statt. Jährlich veranstalten wir unser Hoffest, zu dem wir die Bevölkerung
aus der näheren Umgebung, FreundInnen und Bekannte und uns nahestehende
Initiativen und Projekte einladen. Für Menschen, die eigene Projekte gründen wollen, haben wir
bisher zweimal für 250/300 Personen ein großes Gruppengründungstrefffen,
das "Los Geht`s" veranstaltet und erwägen dies auch für
das Jahr 2001.
b) Außenkontakte
Die Gemeinde Kaufungen mit ihren inzwischen etwa 12.000 EinwohnerInnen
stellt schon lange keine Dorfidylle mehr dar, hat eher Klein- bzw.
Vorstadtcharakter. Unsere nachbarschaftlichen Beziehungen sind gemessen
an der Unterschiedlichkeit der Lebensentwürfe zufriedenstellend,
die Kontakte und unser Bekanntheitsgrad nehmen zu (Beteiligung am
Dorffest, Hofladen, eigenes Hoffest), wobei gerade
Arbeitsbeziehungen eine sehr wichtige Funktion haben. Kassel
als größte Stadt der Region
ist ein wichtiger Bezugspunkt. Dort arbeiten einige von uns, haben
dort FreundInnen, gehen ihren Hobbies
nach und engagieren sich in politischen Initiativen. In
der Umgebung gibt es einige Projekte, zu denen wir freundschaftliche
und/oder ökonomische Kontakte pflegen. Als
Einzelpersonen engagieren wir uns nach unseren jeweiligen Interessen
und Einstellungen, in gemischten, Männer- und Frauenzusammenhängen. Jährlich findet ein bundesweites Kommune-Treffen statt (1991 waren
wir GastgeberInnen), zu Kommunen in Dänemark, Israel, Portugal,
den USA und Neuseeland bestehen Verbindungen.
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4.
Gebäude und Bauen Unser Gebäudekomplex im Ortskern
von Niederkaufungen war ursprünglich ein großer
Gutshof. Anfang der sechziger Jahre wurden die Gebäude
vom Vorbesitzer umgebaut zu einem Wohnheim für ausländische
ArbeitnehmerInnen; die dadurch entstandene Gebäudestruktur
ist trotz einiger Umbauten immer noch sichtbar. Das Gelände
in Daten:
- Die Kommune umfaßt knapp 10000 qm Grundfläche.
- Von den insgesamt ca. 56oo qm Gebäudefläche
werden ca. 2000 qm als Wohnraum genutzt.
- Die Gewerbeflächen, Keller und Lagerräume umfassen ca. 2300
qm, wobei ca. 1000 qm an drei gewerbliche Mieter vermietet sind.
- Das Tagungshaus hat 450 qm, die restlichen 900 qm sind Raum, der noch
zum Wohnen oder zu anderen Nutzungen ausgebaut werden kann.
- Zum Zeitpunkt des Kaufes waren die Gebäude großteils in schlechtem
Zustand, durchgehend ohne Wärmedämmung etc.. In der Zwischenzeit wurden
fünf Gebäude renoviert und mit Isofloc gedämmt, die meisten Dächer sind
inzwischen isoliert. Ende 1996 haben wir einen Aussiedlerhof 10 Fahrradminuten von der Kommune entfernt gekauft. Unser Vieh kommt dort unter. Das Wohnhaus haben wir vermietet.
- In dem Hauptgebäudekomplex wurde statt der alten Ölheizung
ein umweltschonenderes gasbetriebenes Blockheizkraftwerk eingebaut, das neben Wärme auch Strom erzeugt, eine weitere Ölheizung wurde durch
eine Gasheizung ersetzt. Die Gewerbehallen wurden gedämmt und deren Ölheizung
durch eine moderne Stückholzheizung ersetzt, die 2001 für die Wärmeversorgung
des Gesamtgeländes erweitert werden soll.
- Zwei Regenwassersammelanlagen (Fassungsvermögen 41 000 l) versorgen
die zentralen Waschmaschinen, etliche Toiletten und einige Wasserhähne
mit Regenwasser.
- Die Außenflächen waren überwiegend asphaltiert oder geschottert;
ein großer Teil hiervon ist inzwischen entsiegelt und in Garten verwandelt worden, dem
sein vormaliger Zustand kaum mehr anzusehen ist. Außerdem wurde uns
ein an unser Gelände angrenzender Obstgarten von einer Nachbarsfamilie zur Nutzung überlassen.
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5.
Einstieg und Ausstieg
In den vergangenen
Jahren haben wir durchgängig - mit unterschiedlicher Intensität -
nach neuen Leuten gesucht, Zeitungsannoncen aufgegeben, Info-Veranstaltungen
gemacht sowie kleinere und größere Kennenlerntreffen
veranstaltet.
Als Resultat der bisher gemachten Erfahrungen versuchen
wir, den Kennenlernprozeß zwischen
Kommune und einstiegsinteressierter Person zu strukturieren:
Einstieg
Wer von uns gehört/gelesen hat und einen Einstieg in die Kommune Niederkaufungen
für sich in nächster Zeit für möglich hält, wird
zu einem "Infowochenende für EinsteigerInnen" (jeden 2. Monat)
eingeladen.
Wer dabei merkt, daß unsere Kommune tatsächlich was für
sie/ihn sein könnte, für den/die besteht die Möglichkeit,
im Rahmen einer (oder mehrerer) sogenannter "Kennenlernwochen" (jeden
Monat) mit uns zu leben und zu arbeiten. Leute,
die ein eher allgemeines, theoretisches oder unkonkretes Interesse
an (unserer) Kommune haben, verweisen wir
auf die mehrmals jährlich
von uns in unserem Tagungshaus veranstalteten Seminare und Bildungsurlaube "Leben
in der Kommune" und "Anders leben, anders arbeiten" (Seminarprogramme können
angefordert werden). Meistens zieht sich
der Kennenlernprozeß Kommune-Interessierter über
einen längeren Zeitraum hin. Wer einsteigen möchte, beantragt
Probezeit. Jede unserer Wohngruppen wird sich dann in der Regel einen Abend
lang mit der-/demjenigen zusammensetzen; alle Beteiligten haben dabei die
Möglichkeit, ihre jeweiligen Fragen zu stellen und etwaige Vorbehalte
anzusprechen. Für jede neue Person stellen sich "KümmerInnen" zur Verfügung,
deren Aufgabe es ist, AnsprechpartnerInnen für diese während
der Probezeit zu sein, vor allem auch, möglicherweise auftauchende
Konflikte zwischen ProbezeitlerIn und Kommune/KommunardInnen einer Bearbeitung
zugänglich zu machen. Vor Probezeitbeginn
und zum Probezeitende äußert sich jedeR
KommunardIn schriftlich. Die Entscheidung über Probezeitbeginn und
Einstieg in die Kommune werden im Konsens getroffen, wobei sich die Kommune
in der Regel nach drei Monaten entscheidet, während sich die neue
Person bis zu sechs Monate für ihre Entscheidung Zeit lassen kann. Wir
erwarten, daß eine neue Person während
der Probezeit in einem der hier bestehenden Arbeitsbereiche arbeitet
(beziehungsweise ggf.
mit Zustimmung der Kommune einen neuen Arbeitsbereich aufbaut) und/oder
in eine der bestehenden Wohngruppen einzieht. Während der Probezeit hat die/der Einstiegsinteressierte alle Rechte
und Pflichten von "VollkommunardInnen", mit den Ausnahmen, daß er/sie
erstens kein Vetorecht gegen Entscheidungen der Kommune hat und zweitens
ihr/sein Vermögen noch von der gemeinsamen Ökonomie ausgenommen
ist. Nach Ende der Probezeit müssen einsteigende Leute das Geld, was
sie besitzen, in die Gemeinsame Ökonomie einbringen.
Ausstieg
Ein Ausstieg aus der Kommune ist kurzfristig möglich, vollzieht sich
aber erfahrungsgemäß über einen längeren Zeitraum.
Es ist erklärte Absicht der Kommune, AussteigerInnen je nach ihren
Bedürfnissen - und im Rahmen der Kommunemöglichkeiten - bei einem
Neuanfang zu unterstützen. Was die
finanziellen Aspekte angeht, so haben wir die Regelung, daß jedeR
KommunardIn einen individuellen, rechtsverbindlichen und dem Kommunekonsens
unterworfenen "Ausstiegsvertrag" mit der Kommune schließt. In
diesem wird festgelegt, wieviel und was im Ausstiegsfall mitgenommen
werden
kann. Diese Ausstiegsverträge sollen sich an den individuellen Bedürfnissen
(und dem für die Kommune Tragbaren) und nicht an der Menge des
eingebrachten Geldes orientieren.
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6.
Projektgröße und Perspektiven
Die im Grundsatzpapier erwähnte und begründete Zielvorstellung, ein Projekt mit ca. 100 Leuten aufzubauen,
hat für die Kommune Niederkaufungen nach wie vor Orientierungswert.
Ob wir jemals so groß werden, wird sich ebenso zeigen, wie welche organisatorischen,
aulichen und persönlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, um solch ein Wachstum zu ermöglichen. Perspektiven
Wir sind eine !!!:
- Ökonomisch bewegen wir uns stabil und mit Augenmaß in die Zukunft.
- Politisch beweisen wir, als ein funktionierendes Modell und mit zunehmendem lokalen und (über-)regionalen
Bekanntheitsgrad, die Machbarkeit und die gesellschaftlichen Einflußmöglichkeiten unseres Projektes.
- (Groß)familiär beweisen wir die Eingriffsmöglichkeit in kleinfamiliäre Erziehungs-, Beziehungs- und hausfrauisierte Arbeitstrukturen.
- Psychisch stressen auch wir uns mit Leistungsdruck, Kommunikations- und Liebesbedürfnissen etc.; hier haben wir aber mehr Möglichkeiten zu struktureller und persönlicher Veränderung als in anderen Lebens- und Arbeitsbezügen.
- Größenmäßig können und wollen wir diese Perspektiven noch vielen Kommune-Interessierten
mit Lust an Verantwortung, Spaß und Lebensperspektive bieten.