Gemeinsame Ökonomie

Im Umgang mit Geld vollziehen wir eine klare Trennung zwischen

a) Investitionen und
b) Konsum (laufender Alltagsökonomie).

a) Unser Vermögen setzt sich zusammen aus den Geldern, die die KommunardInnen bei Einstieg eingebracht haben (Modalitäten s. u. Einstieg /Ausstieg) und aus geliehenem Geld (Banken, Stiftungen, Verwandtschaft, FreundInnen). Mit diesen Geldmitteln wurden Ge­bäude gekauft und werden Ausbauten finanziert; desweiteren bekommen kommuneinterne Arbeits­bereiche Gelder aus dem Vermögenstopf für Investitionen (Maschinen etc.) als zinslose, aber rückzahlungspflichtige Darlehn zur Verfügung gestellt.

b) Die laufenden Einnahmen unserer Alltagsökonomie setzen sich hauptsächlich aus den Löhnen bzw. Einkünften der einzelnen Arbeitsbereiche und den Gehältern der außerhalb der Kommune Beschäftigten zusammen. Dazu kommen Honorargelder, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Geschenke etc.

Ausgegeben wird das Geld für die Dinge des alltäglichen – und nicht ganz so alltäglichen – Bedarfs: von Autos bis Zahnpasta. Unsere laufenden Einnahmen und Ausgaben liegen bei rund 890 € / Monat / ErwachseneR, was jedoch nur eingeschränkt etwas über unseren Lebensstandard aussagt, weil wir durch die Groß­gruppenorganisation (gemeinsame Kleiderkammer und Bibliothek, gemeinsame Nutzung von Autos, Waschmaschinen, Großeinkäufe etc.) und unsere niedrigen Wohnkosten viel Geld sparen.

Wir betreiben kein Askeseprojekt und wir entscheiden auch nicht als Gruppe über „wahre“ oder „falsche“/kompensatorische Bedürfnisse. Wir haben keine Taschengeld-Regelung, sondern jedeR nimmt nach ihren/seinen Notwendigkeiten/Bedürfnissen aus der gemeinsamen Kasse. Die Auseinandersetzung über das unterschiedliche Konsumverhalten ist gewollter Bestandteil unserer gemeinsamen Ökonomie.

Die finanziellen Transaktionen von/nach außerhalb und innerhalb der Kommune werden von unserem Arbeitsbereich Verwaltung organisiert und dokumentiert – es gibt für jeden Monat eine detaillierte Abrechnung der Einnahmen und  Ausgaben.

Mit dem Entstehen der drei neuen Gruppen in der Region Kassel begann eine intensive Zusammenarbeit unter den vier Kommunen, die neben der sozialen Ebene später auch die ökonomische Ebene mit einbezog.  Aus einer kurzfristigen Unterstützung bei Gründung und Aufbau der neuen Gruppen wurde eine längerfristige Zusammenarbeit, die im Rahmen des einfachen Stundentausches geregelt wurde. Wie bei einer „Zeitbörse“ wurden die geleisteten Stunden aufgeschrieben und gegenseitig verrechnet. Wichtig war hierbei, dass nicht der Wert einer bestimmten Arbeit erfasst wird, sondern alleine die geleistete Zeit.

Im Laufe der Jahre wurden Ackerflächen an andere Gruppen überlassen, Kollektive mit Menschen aus unterschiedlichen Kommunen entstanden, bis hin zu der Idee, im Jahr 2014 mit allen vier Kommunen gemeinsam Ackerland zu kaufen. Dieses Land soll dem Markt zu entzogen werden und wir planen es gemeinsam zu bewirtschaften und die Ernte gemeinsam zu teilen. Das kann ein großer Schritt in eine regionale ökonomische Vernetzung mit geteiltem Besitz und gemeinsamem Vertrauen in den vier Kommunen werden.

 

 Auszug aus dem Ergänzungspapier
(Fassung aus dem Jahr 2014)

Ein Kommentar zu Gemeinsame Ökonomie

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